Biografien
menü
Übersicht Aphilia Forum AVDS

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

aphilia - Theologie
aphilia - Geschichte
Feed Philosophie
Anm. zu Luther 'sola scriptura...
Wie leicht haben es dagegen... (29.7.10)

 

 

Innozenz III.

1160/1161
Eigentlich Lothar von Segni, er wird am 22. Februar auf Kastell Gavignano bei Segni (südöstlich Rom) geboren, er ist der Sohn des Grafen Trasimund von Segni und der römischen Patrizierin Claricia Scotti.
1178–1187
Studium der Rechte in Bologna, ihnen war die schulische Ausbildung im St. Andreas - Kloster in Rom  und  Studien an der Pariser Universität, u.a. bei dem berühmten Theologen Pierre von Corbeil, vorausgegangen.
1187
Weihe zum Subdiakon durch Papst Gregor VIII.
1189
Ernennung zum Kardinaldiakon von SS. Sergius et Bacchus.
In den nächsten Jahren entstehen mehrere Schriften, die letzte, "Über den elenden Zustand des Menschen", enthält bereits die theoretische Grundlagen des späteren Pontifikats ("was Recht ist, was gebührt, was nützt") und seine Selbsteinschätzung: die Kleriker stehen über den Laien, das Papsttums  über den Menschen ("der Papst jedoch ist geringer als Gott, aber größer als der Mensch"), er sah  sich selbst  als Vicarius Christi (seit Innozenz regelmässiger Titel der Päpste), als Statthalter Jesu auf Erden, nicht  nur als Nachfolger Petri.
1198
Wahl zum Papst am 8. Januar, Krönung als Innozenz III. Er ruft den 4. Kreuzzug aus, der von den Venezianern nach Byzanz umgeleitet wird und katastrophal scheitert. Durch die Eroberung und Plünderung von Konstantinopel 1204 schwächte er Byzanz als Bollwerk gegen den Islam und trug beträchtlich zum Bruch zwischen katholischer und orthodoxer Kirche bei. Im gleichen Jahr stirbt Kaiserin Konstanze, die Gemahlin des im Vorjahr verschiedenen Königs Heinrich VI. Innozenz übernimmt die Vormundschaft für ihren dreijährigen Sohn Friedrich, dem späteren Kaiser Friedrich II.
1199
Verbot der Lektüre der Bibel bei nicht kirchlichen Zusammenkünften (gegen Gruppen wie die Waldenser und Katharer). Schließlich wird Laien der Besitz von Bibelübersetzungen verboten.
1207
Ernennung Stephan Langtons zum Erzbischof von Canterbury. Dies wird von König Johann Ohneland, dem Sohn der selbstbewussten Eleonore von Aquitanien nicht anerkannt. Innozenz reagiert verhängt Bann und Interdikt (Untersagung, Verurteilung) gegen England. König Johann unterwirft sich schließlich und England wird päpstliches Lehen.
1208
Nach der Ermordung Philipps von Schwaben schließt Innozenz mit seinem Rivalen Otto IV. Frieden und krönt ihn zum Kaiser. Er bannt ihn aber sehr bald und unterstützt Friedrich II. nach dessen Wahl zum Deutschen König.
1209
Albigenserkreuzzug, die Kirche übernimmt auf Innozenz Anweisung die Organisation. Innozenz war ein unerbittlicher Verfolger der "Häresien" und  sorgte für die Vernichtung der Katharer und anderer Abweichler. Bevor ihn der Ordensgründer Franz von Assisi empfängt, hat er eine Vision von einem armen Mönch, der das bröckelnde Gebäude der Kirche zu stützen vermag. Innozenz III. wird zum Förderer des neuen Ordens.
1215
Innozenz beruft das 4. Laterankonzil, wo er zum erneuten Kreuzzug in das Heilige Land aufruft, diesmal allein unter geistlicher Führung sowie 70 teilweise bis heute gültige Kanones verabschieden läßt. Sie befassen sich mit der Transsubstantionslehre (der Lehre von der Wesenswandlung der eucharistischen Gestalten), die Thesen des Joachim von Fiore zur Trinität wurden  verurteilt und in diesem Zusammenhang erweiterte Vorschriften gegen Ketzerbewegungen erlassen. Zudem werden neue Orden verboten und ein Kanon bestimmt, dass alle volljährigen Gläubigen jährlich zumindest einmal eine Beichte ablegen und zu Ostern die Altarsakramente zu empfangen haben. 
1216
Innozenz stirbt am 16. Juli in der Nähe von Perugia im mittelitalienischen Umbrien und wird in der dortigen Kathedrale beigesetzt. 1891 wird sein Leichnam nach Rom überführt und von Papst Leo XIII. in San Giovanni in Laterano beigesetzt.
Innozenz war war einer der bedeutendsten Päpste des Mittelalters. Er konzentrierte sich auf die Absicherung des Papsttums als geistlichem Herrscher der Welt und seiner Etablierung als weltlicher Macht durch Ausweitung des Territoriums des Kirchenstaates und Oberherr aller weltlichen Mächte. Er strebte die Suprematie des Papsttums über alle und alles an. Innozenz verfolgte die religiösen Abweichler mit Härte und führte weitgehende kirchliche Reformen durch. Unter ihm weitete sich der kirchliche Besitz durch "Rekuperationen" in Mittelitalien auf die doppelte Größe aus. Im Inneren sicherte er die weltliche Herrschaft des Papsttums durch eine Reform der kurialen Verwaltung und durch Nepotismus, die Besetzung wichtiger Positionen mit Verwandten, ab.
   
  Literatur: Manfred Laufs, Politik und Recht bei Innozenz III., Köln 1980; Hrsg. Thomas Frenz, Papst Innozenz III.  Weichensteller der Geschichte Europas, Stuttgart.


footer

Seniorenstudium